Almondia – Bautipps Die Bauherrenberatung

Gütesiegel für Gebäude

Ökologische Standards werden für Bauherren zu einem wichtigen Thema. Nicht ohne Grund: Neben dem Gewinn für Umwelt und Gesundheit kann man durch bewusste Produktauswahl und nachhaltiges Bauen langfristig auch dem Geldbeutel einen Gefallen tun. Jedoch ist meist nicht so leicht zu erkennen, welche Produkte und Werkstoffe tatsächlich schadstoffarm sind. Einfacher machen das unabhängige Zertifikate und Umweltzeichen, die Gesundheits- und Sicherheitsstandards beim ökologischen Bauen und Renovieren garantieren. Stefan Schindele, Experte für Baubiologie bei Baufritz, gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Gütesiegel

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht überall, wo mit gesundem Wohnen“ geworben wird, wurden tatsächlich emissionsgeprüfte Materialien verbaut. Wenn Sie die richtigen Zertifikate kennen, können diese eine gute und verlässliche Entscheidungshilfe sein.
  • Generell wird zwischen Gebäudelabeln, wie z.B. TOXPROOF oder dem SHI-Gesundheitspass, und Produktlabeln, wie z.B. natureplus, unterschieden.
  • Ganz besonders zu empfehlen ist der Blick auf die Gütesiegel, wenn dieses Aufschluss über die Raumluftqualität gewährt.

TOXPROOF, Gütesiegel des TÜV Rheinland

Eines der wichtigsten Gebäudelabel ist TOXPROOF des TÜV Rheinland. Wie der Name schon sagt, wird dieses Zertifikat ausschließlich an schadstoffgeprüfte Gebäude vergeben, bei denen keine Gesundheitsgefährdungen in der Raumluft zu erwarten sind. Vor der eigentlichen Untersuchung auf Schadstoffe wird ermittelt, wie das Produkt hergestellt wird und welche Chemikalien dabei zum Einsatz kommen. Der Test selbst umfasst alle bekannten verdächtigen Substanzen, mögliche Verunreinigungen und Stoffe, die für die Konservierung während Transport und Lagerung verwendet werden. Die Kriterien reichen teilweise über das gesetzlich Vorgeschriebene hinaus und berücksichtigen die möglichen Auswirkungen der verwendeten Stoffe durch Einatmen, Hautkontakt oder Verschlucken auf die Gesundheit des Menschen. Mit dem neutralen TOXPROOF Prüfzeichen stellen Sie also sicher, dass sich hinter den von Ihnen ausgewählten Produkten keine Gesundheitsrisiken für Sie und Ihre Familie verbergen und Sie die Produkte nicht wegen zu großer Mängel in diesem Bereich zu einem späteren Zeitpunkt sogar durch neue ersetzen müssen.

Der SHI-Gesundheitspass

Luft – die wichtigste Ressource der Welt. Ohne sie können wir nur wenige Minuten lang überleben und dementsprechend stark leidet unser Körper auch, wenn wir hauptsächlich schlechte, schadstoffbelastete Luft einatmen. Die Raumluftuntersuchung stellt einen zentralen Aspekt der Vergabe des Gesundheitspasses durch das Sentinel Haus Institut (SHI) dar. 28 bis 100 Tage nach den letzten raumluftrelevanten Baumaßnahmen und vor Einbringung der Möbel erfolgt die abschließende Raumluftmessung, die die Einhaltung der festgelegten Grenzwerte überprüft. Diese orientieren sich an den Richtlinien des Umweltbundesamtes für Innenraumhygiene. Mit Hilfe des SHI-Gesundheitspasses kann zwischen Bauunternehmen und Bauherren vertraglich fixiert werden, welche Raumluftqualität das entstehende Gebäude einmal haben soll.

Für die Vergabe des Zertifikates ist außerdem eine umfassende Bauteilbeschreibung mit Benennung der gesundheitsrelevanten Materialien und Produkte notwendig sowie der Nachweis, dass die verbauten Produkte im Vorhinein vom SHI freigegeben wurden. Die Kriterien des SHI werden ständig weiterentwickelt und an die neuesten Erkenntnisse der Forschung angepasst.

„28 bis 100 Tage nach den letzten raumluftrelevanten Baumaßnahmen und vor Einbringung der Möbel erfolgt die abschließende Raumluftmessung zur Einhaltung der festgelegten Grenzwerte.“

Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau (BNK)

Das Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau wurde im Rahmen eines von der „Stiftung für Forschungen im Wohnungs- und Siedlungswesen“ beauftragten Forschungsprojektes entwickelt. Ziel des BNK ist es, neu zu errichtende Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünf Wohneinheiten hinsichtlich ausgewählter Nachhaltigkeitskriterien zu beschreiben und zu bewerten. Insgesamt enthält das Bewertungssystem 19 Kriterien, die in die vier Hauptkategorien gegliedert sind:

  • soziokulturelle und funktionale Qualität
  • ökonomische Qualität
  • ökologische Qualität
  • Prozessqualität

Die Kriterienliste ist sehr breit gefächert und reicht von Schallschutz und Haustechnik über die Lebenszykluskostenberechnung bis hin zur Sicherung der Prozessqualität. Die vier Teilaspekte werden jeweils getrennt bewertet und schließlich zu einem Gesamtergebnis zusammengerechnet, wobei jedes der vier Qualitätskriterien gleich viel Gewicht hat. Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 50% erhalten die Gebäude das Gütesiegel BNK, wobei die Bewertung der Gebäude erst nach deren Fertigstellung bzw. bei Inbetriebnahme erfolgt. Während der Planungs- und Bauphase dient der Kriterienkatalog als Checkliste für die umzusetzenden Planungsziele.

Schweizer Label MINERGIE ECO

Das Schweizer Label MINERGIE ECO, das aus einer Kooperation der Vereine eco-bau und MINERGIE entstand, ist ein Qualitätszertifikat für neue Verwaltungsbauten, Ein- und Mehrfamilienhäuser und Schulen. Ziel dieser Zertifizierung ist eine verbesserte Lebensqualität bei gleichzeitig geringerer Umweltbelastung. Ersteres soll durch eine Steigerung des Komforts, beispielsweise durch sommerlichen Wärmeschutz oder eine systematische Lufterneuerung, und die Verbesserung wohngesundheitlicher Aspekte, wie die Schaffung optimaler Tageslichtverhältnisse oder geringer Schadstoffbelastung und Lärmimmissionen, gewährleistet werden. Durch einen Gesamtenergieverbrauch von mindestens 25% und einen fossilen Energieverbrauch von mindestens 50% unter dem durchschnittlichen Stand der Technik wird die Umweltbelastung reduziert. Auch bauökologische Aspekte wie die Verfügbarkeit von Ressourcen sowie ein einfacher Rückbau, Verwertung und Entsorgung spielen eine Rolle. Die Vorteile für Eigentümer und Nutzer sind umfassend: eine hohe Arbeitsplatz- und Wohnqualität durch optimale Raumluftqualität und Behaglichkeit, Wertbeständigkeit der Immobilie aufgrund von Schadstofffreiheit, Ressourcenschonung und geringe Umweltbelastung von der Herstellung bis zum Rückbau sowie Vorzugskonditionen aufgrund von anerkannten Kriterien für Finanzierungsinstitute zur Vergabe von Hypotheken. Die Zertifizierungskosten sind abhängig von der Energiebezugsfläche.

Expertentipps

Grundsätzlich empfehle ich, auf Gütesiegel zu achten, wenn es um die Prüfung der Raumluft geht. Eine genauere Prüfung der Materialien lohnt sich also insbesondere bei Innenwandfarben, Bodenbelägen und -klebern, Putzen, Lacken, Dichtungs- und Spachtelmassen sowie Grundierungen.

Trotz aller Bemühungen mahne ich auch zur Vorsicht, denn nicht überall, wo gesundes Wohnen“ geschrieben steht, ist auch tatsächlich ein Plus für die Wohngesundheit drin. Da das Thema gesundes Bauen heute sehr im Trend liegt, werben mittlerweile viele Hausanbieter damit. Die Qualität der verarbeiteten Materialien lässt aber trotzdem leider manchmal zu wünschen übrig.

Am wichtigsten ist, die Ganzheitlichkeit im Blick zu behalten und für sämtliche Einflüsse schädlicher Art eine Lösung zu bieten. Dem Verbraucher kann ich deshalb nur raten, kritisch die Kompetenz der Anbieter zu prüfen. Eine gute Hilfestellung hierbei können die oben genannten Gebäudelabel bieten. Bei ihnen steht in aller Regel die Innenraumhygiene im Vordergrund.

Machen Sie es sich selbst also bei der Produktauswahl leichter und tun Sie Ihrer Gesundheit etwas Gutes, indem Sie bei dem Bau Ihres Traumhauses auf die oben genannten Gütesiegel achten!

Sie haben Fragen rund um das Thema Umweltzeichen? Unsere unabhängigen Experten beraten Sie gerne.

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