Almondia – Bautipps Die Bauherrenberatung

Holzhaus vs. Massivhaus – alle Vor- und Nachteile auf einen Blick

Die typische Siedlung in Deutschland: Lange Reihen von Massivhäusern aus Stein. Doch zunehmend lichten sich die Reihen zugunsten von Holzhäusern. Oft stoßen wir bei Holzhäusern auf Baustile, die wir aus skandinavischen Ländern kennen – das Schwedenhaus. Oder auf urige Blockhäuser, wie es sie in Bayern gibt. Es entstehen aber auch eigenwillige Kreationen aus Holz, die keiner Schablone folgen. Zu klären ist, welche Vor- und Nachteile Holz- und Massivhäuser aufweisen.

Das Holzhaus

Für die Definition des Holzhauses ist ausschlaggebend, dass es einen tragenden Holzrahmen (Holzrahmenbauweise) hat. Das kann auch bei Häusern mit gemauerter Fassade der Fall sein. Es gibt verschiedene Bauweisen für Holzhäuser: Holzständer- und Holztafelbauweise, Block- oder Umgebindehäuser. Unterschiede liegen sowohl im Stil als auch in der Konstruktion. So ist beispielsweise ein Blockhaus vollständig aus Holz gebaut, während bei einem Umgebindehaus oft nur der Rahmen aus Holz gefertigt ist.

Vorteile Holzhaus / Nachteile Massivhaus

  • Die Bauzeit eines Holzhauses ist geringer als die Bauzeit von einem vergleichbaren Massivhaus – das spart Kosten.
  • Holz ist vielseitig. Ob es sich um eine Fertighausvariante, ein Bausatzhaus, ein massives Blockbohlenhaus oder auch um ein Architektenhaus handelt – mit Holz ist einiges möglich, von traditionellen bis hin zu sehr modernen Erscheinungsbildern.
  • Holzhäuser können aufgrund ihres geringen Gewichts auch bei sehr schwierigen Bodenverhältnissen gebaut werden. Sie benötigen keine besonders hohe Tragfähigkeit des Bodens. Hier finden Sie mehr zu Bodengutachten und Baugrunduntersuchungen.
  • Holzhäuser benötigen weniger Heizenergie. Denn der Baustoff Holz hat sehr gute selbstregulierende Isoliereigenschaften bei geringem Platzverbrauch. Trotz dünner Wände dringt sowohl im Winter kaum Energie nach draußen als auch im Sommer Hitze nach drinnen. Das liegt einerseits an den physikalischen Eigenschaften des natürlichen Baustoffs Holz, andererseits auch an den ausgefeilten Konstruktionen, die mit diesem Baustoff möglich sind. Damit können die Voraussetzungen für eine staatliche Förderung durch die KfW-Förderbank erfüllt werden. Bei Ziegelbauten lässt sich zwar auch eine hohe Dämmwirkung erzielen (z. B. durch zweischalige Bauweise), allerdings ist hier mit erheblich mehr Aufwand und höheren Kosten zu rechnen.
  • Holz ist ein nachhaltiger Baustoff. Der Baustoff wächst nach und stammt oft aus regionalen Beständen. Aber auch Ziegel sind ein natürlicher Baustoff, der im Idealfall ohne größere Anfahrtswege verbaut werden kann. Dennoch fällt die ökologische Bilanz des Baustoffs Holz besser aus. Hier finden Sie mehr zum Thema ökologisches Bauen.
  • Gesundheitliche Vorteile: Die Holzbauweise ist für Allergiker und Asthmatiker nachweislich gesundheitsfördernd. Holz kann Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben (offenporige Struktur), sodass das Klima selbstständig auf 45 – 55 % Luftfeuchtigkeit reguliert wird. Das schafft eine gesundheitsfördernde Umgebung und hat beruhigende Wirkung auf die Atemwege. Natürlich können auch bei Ziegelbauten gute Werte für das Raumklima erreicht werden. Dies ist insbesondere bei gemauerten Innenwänden der Fall, denn auch Ziegel können Luftfeuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Allerdings sind die Kosten für ein komplett gemauertes Haus erheblich höher und die positiven Auswirkungen auf das Raumklima geringer.

Nachteile Holzhaus / Vorteile Massivhaus 

  • Das Massivhaus hat bessere schallisolierende Eigenschaften als das Holzhaus. In einem Holzhaus wird man stets mehr als im Massivhaus hören – sowohl von seinen Mitbewohnern als auch von Geräuschen von draußen. Der beste Standort für ein Holzhaus liegt sicher nicht an einer stark befahrenen Straße.
  • Holz wird durch Witterungen stärker beeinflusst, als es bei einem Massivhaus der Fall ist. Wenn sich die Farbe der Fassade nicht verändern und das Haus gepflegt werden soll, muss regelmäßig Lack aufgetragen werden (je nach Haustyp alle 4-8 Jahre).
  • Massivhäuser haben nicht zu Unrecht den Ruf, dass sie besonders robust und unempfindlich sind. Zum Beispiel ist im Falle eines größeren Wasserschadens eine Ziegelwand leichter zu sanieren, als es dies bei einem Holzhaus der Fall ist. Denn eine Holzwand verzeiht eine Durchfeuchtung schwerer – hier muss großflächiger saniert werden.
  • Der Wiederverkaufswert ist bei einem Ziegelbau oft höher als bei einem Holzhaus. Allerdings ist bei sehr gut gearbeiteten Holzhäusern nicht unbedingt ein Nachteil in Sachen Wiederverkaufswert und Lebensdauer zu erwarten.
  • Wenn beim Bau eines Holzhauses nicht nach höchsten Qualitätsstandards gebaut wird, kann das zu vergleichsweise großen Folgeschäden führen. Wenn beispielsweise durch Baufehler stehendes Wasser im Haus auftritt, kann das den Baustoff Holz schwer beschädigen. Sanierungen können beim Holzhaus sehr aufwendig werden.
  • Zudem ist ein Holzhaus anfälliger für Ungeziefer- und Schimmelpilzbefall, was eine entsprechende regelmäßige Behandlung der Materialien erfordert. Bei falscher Auswahl der Materialien für die Oberflächenbehandlung kann dies wiederum zu gesundheitsschädlichen Ausdünstungen führen. Bei richtiger Behandlung ist dieses Problem aber zufriedenstellend zu lösen.
  • Anbauten sind bei einem Holzhaus schwieriger durchzuführen als bei einem Massivhaus.
  • Holz ist ein natürlicher Baustoff, der über das Jahr hinweg gewisse Bewegungen durchmacht. Man spricht auch davon, dass der Baustoff Holz arbeitet oder davon, dass Blockhäuser sich setzen. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, dennoch muss diese Besonderheit beachtet werden, wenn z. B. neue Leitungen verlegt werden sollen oder andere größere bauliche Maßnahmen vorgenommen werden sollen. Es müssen stets Spielräume einberechnet werden.
  • Möglicherweise zeigen sich in einem Holzhaus ein paar knarrende Stellen. Von einem knarrenden Ziegel in einem Massivhaus wurde bislang noch nichts berichtet.

Fazit

Heute sind etwa 15 % aller Neubauten Holzhäuser. Die Tendenz ist steigend. Das hat gute Gründe. Und es handelt sich dabei nicht nur um die gegenüber einem vergleichbaren Massivhaus in Ziegelbauweise geringeren Kosten. Insbesondere sind das heute ausgeprägte ökologische Bewusstsein, eine gute Wohnatmosphäre sowie gesundheitliche Vorteile zu nennen. Natürlich sind die geringeren Bau- sowie Heizkosten beim Holzhaus auch ein stichhaltiges Argument. Außerdem ist es auch von Vorteil, dass ein Holzhaus erheblich schneller fertiggestellt und bezugsfertig ist. Auch ist die Vorstellung falsch, dass Massivhäuser immer robuster, langlebiger und wertbeständiger, als Häuser aus Holz dies sind – z. B. ist ein hochwertiges Blockhaus gegenüber dem Steinhaus hinsichtlich dieser Attribute keineswegs im Nachteil.

Dennoch: Wer bereits längere Zeit in einem Massivhaus gewohnt hat, der wird sich in ein Holzhaus neu eingewöhnen müssen. Das liegt z. B. an den geringeren schallisolierenden Eigenschaften und den unterschiedlichen Maßnahmen der Instandhaltung, die ein Holzhaus ausmachen. Auch mag das Knacken der Bohlen während der Setzung eines Blockhauses befremdlich wirken – der Setzungsprozess dürfte aber nach 4 Jahren vollständig abgeschlossen sein. Für andere ist das Knacken und ggfs. Knarren einiger Stellen im Haus wiederum etwas Schönes. Denn so erinnert das Haus daran, dass es aus natürlichen Baustoffen besteht.

Die Entscheidung zwischen Holzhaus und Massivhaus wird im Endeffekt allein von der Bauherrin und deren Familie getroffen. Am besten ist es, einmal ein paar Nächte in einem Holzhaus zu verbringen, um die Wohnatmosphäre aus erster Hand einschätzen zu können. Viele Anbieter bieten ein solches Probewohnen tatsächlich an. Nutzen Sie das – danach fällt Ihnen eine Entscheidung sicher leichter.

Vorteile Holzhaus Nachteile Massivhaus
viele Baustile möglich – von traditionell bis modern
geringeres Gewicht, wenig Anspruch an Tragfähigkeit des Bodensdie Tragefähigkeit des Bodens muss genau überprüft werden, da höheres Gewicht des Hauses
geringere Bauzeit – geringere Baukostenhäufig längere Bauzeit – mehr Arbeitszeit
bessere ökologische Bilanz, da oft regional und natürlich obwohl Ziegel oft auch natürlich und regional sind, ist die ökologische Bilanz schlechter
positive Auswirkungen auf das Raumklimaweniger positive Auswirkungen aufdas Wohnklima – höhere Kosten
sehr gute Isolierung bei geringen Kostenauch gute Isolierung möglich, aber deutlich höhere Kosten
Vorteile MassivhausNachteile Holzhaus
bessere schallisolierende Eigenschaftenschlechterer Schallschutz, der Standort ist somit eingeschränkt
langlebig, standhaftHolz verändert sich mit der Zeit
weniger Instandhaltungsmaßnahmen – kein Streichen der Außenwände (bei Witterung, Wasserschaden, Ungeziefer etc. besser sanierbar)Ist bei Witterung, Wasserschaden etc. stärkeren Schäden ausgesetzt
i.d.R. höherer Wiederverkaufswerthoher Wiederverkaufswert bei gut gepflegten Zustand
Folgeschäden bei geringen Qualitätsstandards
stabil und robustzeigt knarrende Stellen auf

3 Kommentare zu “Holzhaus vs. Massivhaus – alle Vor- und Nachteile auf einen Blick

  1. Ein Holzhaus interessiert mich, weil ich dieses Material sehr schön finde. Auch ist ein Holzhaus nachhaltiger. Ich wusste nicht, dass Holzhäuser auch weniger Heizenergie brauchen. Sehr gut!

  2. Zu den unter „Nachteile Holzhaus genannten Punkten möchte ich gerne folgendes anmerken:
    Schlechterer Schallschutz trifft meist nur bei Holzrahmenbauten und Bauten mit Innenwänden in Ständerbauweise zu. Gut gebaute ein- oder zweischalige Massivholzhäuser mit Massivholzwänden sind nicht wesentlich schlechter als Steinbau.
    Das Steinbauten länger halten sollen als Holzbauten ist mittlerweile längst widerlegt. Bei einer hochwertigen und konstruktiv guten Bauweise kann ein Holzhaus mehrere Hundert Jahre alt werden (belegt aus diversen Praxisbeispielen – bis 800 Jahre), während Steinbauten in der Regel in unseren Breitengraden nur um die 90-100 Jahre alt werden.
    Schimmelanfälligkeit geht bei konstruktiv guten Massivholzhäusern – im Gegensatz zu vielen Holzrahmenbauten – gegen Null. Vor allem bei folienfreier und diffusionsoffener Bauweise, hier ist nicht einmal eine Zwangslüftungsanlage erforderlich. Auch Ungezieferbefall ist bei Verwendung industriell kammergetrockneter Hölzer und (auch biologisch) vorbehandelten Isolierungen wie zB Zellulose kein Thema mehr.
    Streichintervalle für die Fassade hängen stark von der Qualität der verwendeten Lasuren ab. Wer billig streicht, streicht öfter. Mit guten Lasuren beträgt das Intervall ca. 10-12 Jahre und liegt damit in etwa beim üblichen Streichintervall verputzter Häuser von ca. 15 Jahren. Im Gegenzug dazu bleiben in den meisten Massivholzhäusern die Innenwände von den Bewohnern naturbelassen und müssen somit überhaupt nicht gestrichen werden.
    Zum Thema „stabil und robust“ genügt ein Blick auf die Erdbebensicherheit von Mauerwerk im Vergleich zum Massivholzbau. Massivholzbau, vor allem Blockbauweise ist nahezu komplett Erdbebensicher. Putzrisse und absackendes Mauerwerk sind hier Fremdwörter.
    Insgesamt stehen und fallen die Vor- und Nachteile mit der Art des Holzbaus und vor allem mit der qualitativen Ausführung. Generell ist es ein ungenügender Ansatz, Massivholzbau wie z.B. Blockbohlenbau mit Ständer/Rahmenbauweise in einem Topf unter „Holzhaus“ zusammen zu werfen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Bauweisen, die sich in Haltbarkeit und den bauphysikalischen Eigenschaften deutlich unterscheiden.
    Und auch innerhalb des Massivholzbaus gibt es große qualitative Unterschiede, die sich letztlich in Komfort und Haltbarkeit niederschlagen.
    Insgesamt ist es nur der lobbyarbeit der Baustoffindustrie zu verdanken, dass in den Köpfen das Umdenken in Holz nur so langsam erfolgt.
    Objektiv betrachtet ist Holz der Baustoff der Zukunft und Massivholzbau die beste Wahl die man für den Wohnbereich nur treffen kann. Auch vom gesundheitlichen Aspekt her. Die Vorteile überwiegen in den meisten Punkten um Längen.

    1. Sehr geehrter Herr Eichler,

      vielen Dank für Ihren Kommentar und den Hinweis, dass die Vor- und Nachteile von Holzhäusern in großem Maße von der jeweiligen Art des Holzbaus (Blockhaus oder Holzrahmen-/Holzständerbauweise) abhängen. Ebenso wie es nicht das EINE Holzhaus gibt, finden wir auch im Massivbausegment unterschiedliche Baumaterialien mit unterschiedlichen Eigenschaften. Da Verallgemeinerungen im Baugewerbe generell mit Vorsicht zu genießen sind, empfehlen wir eine individuelle, ehrliche Beratung, wie wir sie auch selbst in unseren Kundengesprächen durchführen.

Schreiben Sie einen Kommentar zu Roland Eichler Antworten abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.