In den meisten Fällen wird das Bauvorhaben vom Bauherren bzw. seinem Vertreter begutachtet. Das Begutachten einer Baustelle ist wichtig, da somit nicht nur der Baufortschritt festgestellt werden kann, sondern auch eventuelle Mängel frühzeitig erkannt werden. Mit dem folgenden Artikel möchten wir eine oder andere Frage rund um die Begutachtung der Baustelle beantworten.
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Für welche Bauphasen wird der Gutachter engagiert? Dies ist abhängig vom Bauvorhaben. Der Fachmann kann sowohl für einzelne Teilbereiche als auch für eine Komplettbetreuung engagiert werden. In jedem Fall sollte der Umfang der Leistungen im Vertrag geregelt werden. |
Die verschiedenen Haustypen: Hierbei wird unterschieden in Einfamilienhaus, Mehrfamilienhaus, Doppelhaus, Bungalow sowie Stadtvilla. |
Was sind die Vorteile eines Baugutachters? Er kann Probleme frühzeitig erkennen und für eine Nachbesserung sorgen oder im schlimmsten Fall das komplette Bauvorhaben stoppen. Kommt es zu Rechtsstreitigkeiten, ist er der Ansprechpartner und kann anhand seiner Dokumentation und Fotos den Ablauf des Baus nachweisen. |
Grundlagen der Baustellenbegutachtung
Die regelmäßige Baustellenbegutachtung ist wichtig, da sich so Mängel frühzeitig entdecken lassen und Bauherren nicht Gefahr laufen, dass diese Mängel später zu hohen Mehrkosten aufgrund von Folgeschäden führen.
Wann benötigt man einen Baugutachter?
- Bauphasen: Gerade bei größeren Bauvorhaben ist es sinnvoll, dass Bauherren einen Baugutachter zur Baubegutachtung sowie zur Baubegleitung engagieren. Der Baugutachter kann bereits die Baupläne auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüfen. Im Rahmen der Baubegleitung wird der Fachmann die Baustelle regelmäßig besuchen, umso frühzeitig eventuelle Mängel zu erkennen. Bei der Abnahme des Bauvorhabens ist der Baugutachter ebenfalls von Vorteil, da er sich mit den rechtlichen Vorgaben gut auskennt und weiß, worauf zu achten ist.
- Rechtliche Anforderungen: Bisher besteht in Deutschland für Bauherren keine Pflicht, einen Gutachter zu engagieren. Dennoch ist die professionelle Baubegleitung bzw. Begutachtung sinnvoll, wenn es um den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie geht.
- Risikominimierung: Beim Kauf einer Immobilie kann der Gutachter die zukünftigen Verkäufer beraten, da er Baumängel bzw. Pfusch besser erkennen kann als der Laie. Er kann somit auch auf Renovierungen oder Sanierungen hinweisen, damit Hauskäufer ihre Finanzen entsprechend planen können. Beim Hausbau wird der Gutachter auf Mängel bei der Ausführung achten und gegebenenfalls den Bau frühzeitig stoppen, bis die Baumängel behoben sind. Dies wiederum sorgt dafür, dass es nicht zu Folgeschäden kommt, die für hohe Zusatzkosten sorgen.
Was kostet es, ein Baugutachten zu erstellen?
Die Kosten für eine Baubegutachtung können nicht pauschal beziffert werden, da sie von verschiedenen Faktoren abhängen. Dazu zählen die Größe des Bauvorhabens sowie der Umfang der vereinbarten Leistungen rund um die Begutachtung. Ebenso wichtig ist die Erfahrung des Sachverständigen. Bauherren sollten von einem Stundenlohn zwischen 70 und 200 Euro für den Gutachter ausgehen. Zu diesen Kosten müssen weitere Kosten wie zum Beispiel Anfahrtskosten, Kosten für spezielle Untersuchungen und Labortest sowie die Kosten für das schriftliche Gutachten kalkuliert werden. Hier ist mit Kosten von 40 bis 60 Euro pro DIN A4 Seite zu rechnen. Im Schnitt zahlen Baufamilien für ein Gutachten zwischen 200 und 300 Euro, je nach Komplexität des Schriftstücks. Die Experten unterscheiden dabei zwischen einem Kurzgutachten und einem umfassenden Gutachten.
Nach der Fertigstellung des Rohbaus können Baufamilie für die Abnahme mit ca. 600 Euro rechnen. Für eine komplette Baubegleitung hingegen, bei der das Bauvorhaben auf Herz und Nieren in Bezug auf Schäden überprüft wird, fallen im Schnitt Kosten von 3.000 bis 6.000 Euro an.
Warum ist ein Baugutachter so wichtig?
- Qualitätssicherung: Der Gutachter garantiert durch die Begutachtung das Einhalten von Baustandards und kann so eine gute Bauqualität gewährleisten.
- Schutz vor finanziellen Verlusten: Aufgrund der regelmäßigen Begutachtung der Baustelle bis zur Fertigstellung des Hauses werden Baufamilien so vor finanziellen Verlusten geschützt, die durch nicht erkannte Baumängel auftreten können. Dazu wird der Gutachter in regelmäßigen Abständen die Baustelle begutachten und die Maßnahmen gezielt überprüfen.
- Rechtliche Absicherung: Der Gutachter wird eine lückenlose Dokumentation inklusive Bilder führen, sodass jederzeit nachgewiesen werden kann, wo es zu Problemen bei der Ausführung kam. Bei Rechtsstreitigkeiten ist dies für die Baufamilie eine zusätzliche Sicherheit, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Was beinhaltet eine Baubegutachtung?
- Bewertung des Baufortschritts: Im Rahmen der Begutachtung wird überprüft, ob der Baufortschritt den Planungen entspricht.
- Erkennung von Mängeln: Der Experte im Fachbereich Bauwesen kann eventuelle Baumängel und Schäden frühzeitig erkennen und eine Mängelbeseitigung in Auftrag geben.
- Abschlussbericht: In seinem Gutachten wird der Experte das Projekt lückenlos dokumentieren, sodass jederzeit Probleme nachvollzogen werden können und ersichtlich ist, wer an den Problemen Schuld trägt.
Häufige Mängel und Probleme
- Strukturelle Mängel: Zu den typischen strukturellen Baumängeln, die im Rahmen einer Begutachtung gefunden werden, zählen unter anderem Risse in den Wänden, Probleme mit dem Fundament oder gar Probleme mit der Tragstruktur. All diese strukturellen Baumängel beeinträchtigen die Stabilität des Hauses.
- Qualitätsmängel bei Materialien: Des Weiteren kommt es immer wieder zu Problemen durch minderwertige Baumaterialien. Der Experte kann dies im Vorfeld erkennen und dafür sorgen, dass diese Baumaterialien gegen hochwertige ausgetauscht werden.
- Arbeitssicherheitsmängel: Bei der Begehung der Baustelle kann der Experte in der Regel auch Arbeitssicherheitsmängel erkennen, die eine Gefahr für die Handwerker bedeuten. Im Rahmen seiner Tätigkeit wird er auf die Sicherheitsrisiken hinweisen und auf das Einhalten der Bauvorschriften achten.
Fazit und Schlussfolgerung
Es ist keine Frage des Geldes, ob ein Gutachter engagiert werden soll. Sicherlich erscheinen Baufamilien die zusätzlichen Kosten zuerst einmal sehr hoch. Sie sollten jedoch bedenken, dass der Fachmann Probleme beim Hausbau frühzeitig erkennen kann, umso Folgeschäden, die wiederum zu hohen Zusatzkosten führen, zu vermeiden. Jedem Bauherrn ist klar, dass Pfusch am Bau keine Seltenheit ist, weshalb er im eigenen Interesse einen Fachmann engagieren sollte, der weiß, wie dies zu verhindern ist.
FAQ zum Thema Baustelle begutachten
Wer ist für den Arbeitsschutz auf den Baustellen zuständig?
Das Gewerbeaufsichtsamt oder ein Sachverständigenbüro kontrollieren den Arbeitsschutz an Arbeitsstellen und auf der Baustelle. Sie prüfen Sicherheitsmängel, die Gebäude oder Arbeiter gefährden könnten.
Was sind strukturelle Baumängel?
Strukturelle Baumängel wie Risse oder Schäden an der Tragstruktur gefährden die Stabilität von Bauwerken und Nachbargebäuden. Eine gründliche Beweissicherung schützt vor Streitigkeiten mit Nachbarn.
Warum ist ein Beweissicherungsverfahren vor Baubeginn sinnvoll?
Ein Beweissicherungsverfahren dokumentiert den Zustand von Gebäuden und Nachbargebäuden vor Beginn der Bauarbeiten. Es hilft, spätere Streitigkeiten über Bauschäden zu vermeiden und schützt sowohl Nachbarn als auch den Auftraggeber vor unberechtigten Forderungen. Ein Bausachverständigenbüro oder ein Bausachverständiger führt die Beweissicherung durch und erstellt eine klare Dokumentation, die auch vor Gericht als Beweis dient.
Welche Maßnahmen helfen, Risiken beim Bauprojekt zu minimieren?
Eine regelmäßige Baubegutachtung durch ein Sachverständigenbüro reduziert Risiken, da der Bauprozess fortlaufend kontrolliert wird. Dabei überprüft der Experte, ob alle Richtlinien eingehalten werden und ob Bauschäden durch fehlerhafte Bauarbeiten entstehen könnten. Bei festgestellten Problemen kann der Bausachverständige frühzeitig Lösungen vorschlagen und die Kommunikation mit dem Bauunternehmen übernehmen.
Was ist bei Sachverhalten mit Nachbargebäuden während des Bauprozesses zu beachten?
Während des Bauprozesses sollten potenzielle Risiken für Nachbargebäude frühzeitig erkannt werden. Dies umfasst etwa Schäden durch Erschütterungen oder unsachgemäße Arbeiten des Bauunternehmens. Eine Beweissicherung zu Beginn und regelmäßige Kontrollen während der Bauarbeiten sind wichtige Maßnahmen. Ein Sachverständigenbüro kann bei Konflikten eine Lösung finden und im Falle eines gerichtlichen Beweisverfahrens eine objektive Einschätzung liefern.