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Bauen mit einer Baugruppe

Eine Baugruppe ist die Gemeinschaft von mehreren Bauwilligen. Die Gruppe teilt sich alle anfallenden Kosten. Die Parteien planen, gestalten und verwalten den Bau gemeinsam. In dieser Artikelreihe stellen wir Ihnen Schritt für Schritt die Aufgaben, Herausforderungen und Vorteile von Baugruppen vor. Wir beginnen mit den grundlegenden Fragen: Ist das Bauen in einer Gemeinschaft etwas für Sie? Welche Art von Zusammenschluss empfiehlt sich? Wie kann man sich absichern und worauf sollte man von Anfang an achten? 

Das Wichtigste in Kürze

  • Jede Partei hat Mitspracherecht. Das erfordert viel Kompromissbereitschaft.
  • Das Projekt lässt sich als Baugemeinschaft abschließen oder als gemeinsames Wohnprojekt auch noch nach Bauabschluss weiterführen.
  • Das Bauen in einer Baugruppe ist im Schnitt 10-20% günstiger als das übliche Bauen.

1. Baugruppe – gemeinsam sind wir stärker?

Eine Baugruppe ist der Zusammenschluss mehrerer Parteien zu einer Arbeitsgemeinschaft, um die Herausforderungen und Abenteuer eines Bauprojekts gemeinsam zu stemmen. Das beginnt mit der Suche und dem Kauf eines geeigneten Grundstücks. Es kann mit dem Bezug der einzelnen Wohnungen enden. Der Gemeinschaftsgedanke lässt sich aber durchaus auch noch nach Bauabschluss als gemeinsames Wohnprojekt weiterführen.

Baugemeinschaft

Die Parteien wollen in erster Linie zusammen bauen, um Kosten zu sparen. Ziel ist der Besitz einer Eigentumswohnung. Diese Wohnung kann auch an Dritte übertragen werden, die nicht in der Gründergruppe aktiv waren. Wenn der Bau abgeschlossen ist, ist die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer nicht insolvenzfähig. Für die Bauzeit eignen sich Personen- oder Kapitalgesellschaften als Rechtsformen. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) eignet sich besonders gut. Ihre Gründung ist einfach und formfrei. Es ist kein Notar und keine Gebühr notwendig. Trotzdem empfiehlt es sich, einen Vertrag aufzusetzen.

Durch gemeinsame Planung, Koordination und Einkauf lassen sich im Schnitt 10 bis 20% der üblichen Baukosten sparen. Allerdings sollte man sich darüber bewusst sein, dass Diskussionen und Kompromisse fester Bestandteil dieses Arrangements sind. Es zählen nicht nur die eigenen Wünsche – der Abstimmungsbedarf kann schnell einen hohen Zeitaufwand bedeuten. Zuverlässigkeit von jedem Einzelnen ist hier ein Muss. Ist das gegeben, können sich die Mitglieder jedoch leicht Verantwortungen und Pflichten teilen, sodass das Projekt Hausbau gemeinsam nur noch halb so schwierig ist.

Gemeinsame Wohnprojekte

Die Parteien wollen nicht nur zusammen bauen, sondern auch gemeinschaftlich wohnen. Die Parteien erwerben kein individuelles Eigentum, sondern Anteile am ganzen Gebäude. Eigentümer ist und bleibt der Verband. Er ist auch nach Planung und Bau noch insolvenzfähig. Auch bei einem gemeinsamen Wohnprojekt ist jede Form einer Kapitalgesellschaft als Rechtsform geeignet.

2. Wie kompromissbereit sind Sie?

Beim gemeinsamen Bauen sind die einzelnen Parteien in die Planung nicht nur eingebunden, sondern zu großen Stücken mitverantwortlich. Auf regelmäßigen Treffen wird diskutiert, gestaltet und geplant. Alle Parteien können und sollen sich mit ihren Ideen einbringen. Große und kleine Entscheidungen liegen in der Hand der Gruppe: Wie soll der Grundriss aussehen? Welche Fensterform wollen wir haben? Das erfordert diplomatische Fähigkeiten. Dr. Michael LaFond, Gründer von id22, wohnt selbst seit Jahren in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt in Berlin und sagt aus eigener Erfahrung: „Es ist eine emotionale, soziale und politische Entscheidung.“ Bevor sie getroffen wird, sollten Sie sich bewusst machen, dass das Projekt viel Zeit und Geduld in Anspruch nehmen wird.

3. Die Grundsatzfragen

Zuallererst sollten Sie sich fragen: Was haben Sie für Vorstellungen? Wo wollen Sie bauen, was wollen Sie bauen, wie teuer soll das Ganze werden? Außerdem müssen Sie sich entscheiden, ob Sie eine Baugemeinschaft oder ein gemeinsames Wohnprojekt realisieren wollen.

Eine Baugemeinschaft ist vor allem bei Planung und Bau partizipativ. Die entstandenen Wohnungen sind Privateigentum. Die Gemeinschaftsidee verliert sich nach dem Einzug im Laufe der Zeit meistens.

Bei einem gemeinsamen Wohnprojekt wird das Eigentum nicht nach Wohnungen aufgeteilt, sondern alle haben einen Anteil am ganzen Gebäude. Nach Planung und Bau soll die Gemeinschaftsidee weiterhin erhalten bleiben.

Fenster an Fenster, Wohnen in einer Baugemeinschaft
Fenster an Fenster – Wohnen in einer Baugemeinschaft ©2017 Almondia GmbH

4. Die Wahl von Architekt und Projektsteuerer

Der nächste entscheidende Schritt ist die Wahl eines Architekten und eines Projektsteuerers. Während der Architekt für die architektonische Planung zuständig ist, übernimmt der Projektsteuerer die Aufgaben eines Vermittlers und Organisators. Wichtig ist, dass Sie Architekt und Projektsteuerer vertrauen: Sie sind die professionelle Beratung und Unterstützung, die Sie für dieses Großprojekt brauchen. 

5. Absicherung

Ein gemeinsames Bauprojekt ist eine große Sache. Es stecken viel Zeit, Geld und Emotionen darin. Deshalb ist es für alle Beteiligten wichtig, sich vollkommen sicher zu sein und sich auf die Mitglieder verlassen zu können. Eine gewisse Absicherung in einer Baugruppe bietet die Erstgeldeinbezahlung. Von Anfang an zahlen die Beteiligten Geld in eine Gemeinschaftskasse. Das einbezahlte Geld bekommt man nicht mehr wieder, auch wenn man abspringen sollte. Das macht deutlich: So ernst ist es mir mit dem gemeinsamen Bauprojekt. Außerdem sollten alle anfallenden Kosten von Anfang an geteilt werden, zum Beispiel das Architektenhonorar.

Aber letzten Endes gilt, so sagt Michael LaFond: „Der Erfolg des Projekts hat viel mit der Baugemeinschaft zu tun. Wenn kein Vertrauen da ist, sollte man auch nicht zusammen bauen.”

Und so geht es weiter:

Wenn Sie diese Schritte durchlaufen haben und sich sicher sind: Sie sind kompromissbereit und wollen Ihr Zuhause gemeinsam gestalten, dann ist das Bauen in einer Baugruppe für Sie genau das Richtige.

Sie haben weitere Fragen oder wollen gleich loslegen? Zögern Sie nicht, unsere Experten zu kontaktieren!

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