Almondia – Bautipps Die Bauherrenberatung

Wohngesundheit

Leiden Sie auch, wie so viele andere, unter Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen, häufigem Niesen, Räuspern, Übelkeit, Schwindelgefühlen und Abgeschlagenheit?
Nehmen Sie deshalb vielleicht sogar schon Medikamente ein, können sich aber die Ursache Ihrer Symptome nicht erklären? Forscher haben herausgefunden, dass viele allergische Reaktionen durch Schadstoffe im Wohnraum ausgelöst werden können. Noch relevanter erscheinen diese Ergebnisse, wenn man bedenkt, dass wir rund 90% unserer Zeit in Innenräumen verbringen, den Großteil davon natürlich in sensiblen Schlaf- und Ruheräumen im persönlichen Wohnumfeld.Im eigenen Zuhause lauern viele Gefahren, die Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie beeinflussen können. Wie diese im Einzelnen aussehen und wie Sie schadstoffbedingte Krankheiten vermeiden können, erfahren Sie im Folgenden von Stefan Schindele – Experte für Baubiologie bei Baufritz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele gesundheitliche Beschwerden entstehen durch Schadstoffe im Eigenheim.
  • Diesem Risiko können Sie schon vor dem Einzug vorbeugen, indem Sie bei der Auswahl Ihrer Baustoffe auf die richtigen Produkte setzen.
  • Im Alltag lohnt es sich ebenfalls, einige Vorkehrungen zu treffen und vor allem auf ausreichendes Lüften zu achten, um gesund zu wohnen.

Richtiges Lüften und eine gute Raumtemperatur

Achten Sie immer auf hohe Luftqualität in Ihren Räumen. Sie sollten jedes Zimmer in der Wohnung mehrmals täglich lüften. Im Winter reichen schon einige Minuten bis zu einer Viertelstunde. Im Sommer darf ruhig auch länger gelüftet werden. Eine Ausnahme stellt hier der Keller dar. Diesen sollten Sie nur morgens und abends bei kühleren Außentemperaturen lüften, da ansonsten durch Auffeuchtung die Gefahr einer möglichen Schimmelpilzbildung besteht.

Stellen Sie durch regelmäßiges Querlüften oder eine automatische Lüftungsunterstützung mit Wärmerückgewinnung sicher, dass CO2, Schadstoffe oder aber auch Radon, welches in Gesteinen und Böden vorkommt und durch Fugen oder Risse in Keller- und Erdgeschossräume entweichen kann, passend abgelüftet werden.

Grundsätzlich liegt die richtige Raumtemperatur zwischen 19 und 22 Grad Celsius. Auch im Winter sollten Sie die Zimmer nicht überheizen, da so die Luftverschmutzung durch die erhöhte Schadstoff- und Staubkonzentration zunimmt und Ihre Schleimhäute schneller austrocknen.

Milbenbisse & Co.

Fast jeder dritte Deutsche leidet an einer Allergie, die Milbenallergie kommt dabei besonders häufig vor. Bei möglichen Symptomen wie Schleimhautschwellungen, verstopfter oder laufender Nase, Hustenreiz und Bindehautentzündung ist auch deshalb besondere Vorsicht geboten, weil die Milbenallergie bei einem Etagenwechsel (Wechsel von den oberen in die unteren Atemwege) zu Asthma führen kann.

Was also tun, um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen?

Milben fühlen sich bei hoher Luftfeuchtigkeit besonders wohl und nisten sich dann meist in Textilien wie Bettwäsche, Teppichen oder Polstermöbeln ein. Vertreiben kann man die ungeliebten Mitbewohner also am besten, indem man das Schlafzimmer trocken, staubfrei und kühl hält, die Bettwäsche tagsüber lüftet und ansonsten regelmäßig bei 60 Grad wäscht.

Ausgelöst wird die Allergie übrigens gar nicht durch die Milbe selbst, sondern durch das Einatmen ihres Kots. Wischen Sie die Wohnung also ruhig öfter mal feucht durch – das entfernt Staub und Milbenkot am effektivsten und die strahlenden Böden sind ein netter Nebeneffekt.

Schadstoffe in der Luft durch Möbel und Böden vermeiden

Im Altbau können schwerflüchtige Schadstoffe wie Holzschutzmittel aus Anstrichen oder Imprägnierungen, Weichmacher aus Bodenbelägen oder PAK´s aus Klebern problematisch sein.

Darüber hinaus war früher Asbest in sämtlichen Bauprodukten enthalten. Sollten Sie einen Schimmelpilzbefall entdecken, nehmen Sie auch dies nicht auf die leichte Schulter, sondern lassen Sie sich von einem Fachmann hinsichtlich Ursachenforschung und Sanierung beraten.

Gefährlich ist außerdem Formaldehyd, das häufig aus älteren Möbeln emittiert oder beispielsweise in Kunstharzen verwendet wird, um Holzspäne zu Laminatplatten zu verleimen. Da es sich aber nicht dauerhaft mit den Holzspänen verbinden kann, tritt es als Gas weiterhin aus, im schlimmsten Fall sogar noch 20 bis 30 Jahre nachdem der Boden verlegt oder das Möbelstück eingekauft wurde. Formaldehyd riecht beißend und reizt Schleimhäute und Augen. Noch schlimmer aber ist, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO die chemische Verbindung als krebserregend eingestuft hat.

Bodenbeläge und Teppiche als Gesundheitsrisiko:
Diese enthalten oft Schadstoffe in Form von Lösemitteln, Weichmachern oder Schwermetallen, die sich beim Laufen lösen und so in die Luft und dann in die Atemwege gelangen können. Grund hierfür sind meist Oberflächenbehandlungen oder PVC-Kunststoffe in den Belägen.

Ein Problem können auch Wollteppiche darstellen, die häufig mit Mottenschutzmitteln behandelt wurden und so vor allem für spielende Kinder zum Risikofaktor werden können. Bei neueren Möbeln sollten Sie insbesondere darauf achten, dass diese keine leichtflüchtigen Schadstoffe aus Ölen und Lacken emittieren. Hohe Sicherheit bei der Bewertung von Bauprodukten bietet das Label „natureplus“. Hier müssen strenge Anforderungen an die gesundheitliche Verträglichkeit sowie ökologische Qualität erfüllt werden. Neue Möbel dünsten kurz nach dem Kauf oft noch unangenehme Gerüche aus, die per sé zwar nicht giftig sein müssen. Trotzdem empfiehlt es sich jedoch, die Möbelstücke zunächst einige Wochen bis zu einem Monat in einem Raum, in dem man nicht schläft, ausdünsten zu lassen.

Die Gerüche sollten nach diesem Zeitraum verflogen sein. Ist dies nicht der Fall, kann die Ware zurückgegeben werden.

„Schlechte” Möbel erkennt man also häufig am Geruch – aber wie können Sie gleich die richtigen finden? Generell sollten Sie beim Kauf gewachste oder geölte Vollholzmöbel vorziehen. Auch ein Blick auf das, gegebenenfalls vorhandene, FSC Siegel lohnt sich, für Sie und die Umwelt!

Worauf sollten Sie also achten, um Schadstoffe in der Luft zu vermeiden?

  1. Das Abkleben von Löchern und freien Kanten von Pressspanplatten ist eine sinnvolle und kostengünstige Maßnahme zur Reduzierung der Belastung. Bei großflächigen Emittenten, wie Möbelrückwände, ist eine fachlich korrekte Umsetzung solcher Maßnahmen jedoch schwierig. Hier kann ein Ersatz des entsprechenden Möbelstückes günstiger sein.
  2. Achten Sie bei der Auswahl von Holzwerkstoffen (insbesondere bei Spanplatten) auf emissionsarme Produkte (E1). Mittlerweile ist der Formaldehydausstoß häufig ausgewiesen.
  3. Massivholz-, 3-Schicht-, Tischler- oder Stäbchenplatten, sowie Sperrholz oder Holzfaserplatten sind oftmals die emissionsärmere Alternative zur Span- oder OSB-Platten.
  4. Sorgen Sie für gute Raumluft: Halten Sie die Luftfeuchtigkeit niedrig, lüften Sie häufig und nutzen Sie zusätzlich natürliche Schadstoffabsorber wie Kalkputze oder Pflanzen.

Behalten Sie deshalb diese abschließenden Expertentipps im Kopf, um sich und Ihrer Familie ein möglichst gesundes Zuhause zu schaffen:

  1. Achten Sie bei der Auswahl der Baustoffe auf emissionsarme und geprüfte Produkte.
  2. Verzichten Sie auf Montageschäume, faserhaltige Dämmstoffe, lösemittelhaltige Farben Lacke, Kleber, etc.
  3. Achten Sie auf eine gute und hygienische Belüftung Ihrer Räume.
  4. Achten Sie bei der Ausstattung auf möglichst natürliche Oberflächen um elektrostatische Aufladungen zu unterbinden und das Ionenverhältnis nicht zu stören.
  5. Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Reinigungsmittel auf emissionsarme Produkte.
  6. Lagern Sie keine Farb- oder Lackgebinde, sowie Verdünnungen im Gebäude.

Grundsätzlich lässt sich betonen, dass Sie vor allem bei Neubauten die Chance haben, vieles von Anfang an richtig zu machen. Der Aufwand dafür ist oftmals gering, der Effekt aber immens. Bei der Auswahl der Baustoffe und Materialien sollten Sie den Fokus also nicht zu einseitig ausrichten, um möglichst keinen Risikofaktor zu übersehen.

Probieren Sie die oben genannten Ratschläge doch bei nächster Gelegenheit selbst aus – vielleicht können Sie sich den einen oder anderen Gang zum Medizinschrank, oder gar zum Arzt, so schon bald sparen.

Sie haben Fragen rund um das Thema Wohngesundheit? Unsere unabhängigen Experten beraten Sie gerne. Wollen Sie sich erst einmal grundlegend über Ihre Möglichkeiten beim Fertighausbau informieren, nutzen Sie dazu doch unser kostenloses Planungstool. Wir freuen uns auf Sie!

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