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Lehmbau

Lehmbau hat eine lange Geschichte. Egal ob man an traditionsreiche Fachwerkhäuser, das Aktivistendorf vor dem Atommülllager in Gorleben in den 1980er Jahren oder sogar den japanischen Kaiserpalast denkt – der Baustoff Lehm ist eigentlich stets positiv besetzt. Er gilt als besonders umweltschonend, da er dauerhaft recycelt werden kann, ist hautfreundlich und vermindert zudem den Feinstaubgehalt in der Raumluft, was besonders für Allergiker ein großes Plus bedeutet.
Noch dazu bietet Lehm guten Schallschutz und hält vor allen Dingen die Luftfeuchtigkeit im Raum konstant, was ein dauerhaft angenehmes Wohnklima garantiert. Doch eine Befürchtung droht all diese Vorteile in den Schatten zu stellen: Ist Lehm radioaktiv? Dieser Artikel hat die Antworten auf diese komplexe Frage in Kürze für Sie zusammengestellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lehm ist den meisten als zuverlässiger und ökologischer Baustoff bekannt, nach Forschungen zu erhöhten radioaktiven Konzentrationen regen sich allerdings Bedenken.
  • Diese sind aber nicht mit Daten untermauert, da die Höhe der tatsächlichen Belastungen noch nicht genügend untersucht wurde und auch Umweltzertifikate den Baustoff Lehm als unbedenklich klassifizieren.
  • Generell sollte vor allem auf eine ausreichende Lüftung geachtet werden, um Schadstoffe in der Raumluft zu vermindern.

Strahlend gutes Material

Über lange Zeit hielt sich Lehm also als beliebter umweltfreundlicher Baustoff in den Köpfen der Allgemeinheit. Vor einiger Zeit aber wurde der einstmals so gute Ruf stark in Zweifel gezogen: Lehm gebe radioaktive Stoffe in die Raumluft ab und die Werte könnten bei einem komplett aus Lehm gebauten Haus bis zu 4,6 Millisievert pro Jahr betragen. Dies überschreitet die offiziellen Grenzwerte der WHO, die lediglich 3,0 Millisievert betragen. Damit stellt Lehm allem Anschein nach ein Gesundheitsrisiko dar. Ist dies tatsächlich der Fall, so würden die genannten Werte vor allem das Risiko für Lungenkrebs erheblich erhöhen.

Derartige Behauptungen schüren natürlich Ängste bei allen Besitzern und potenziellen Bauherren von vermeintlich so gesundheitsfreundlichen Lehmhäusern. Viele Baufirmen, die mit Lehm arbeiten, weisen die Anschuldigungen klar zurück und erklären, dass die Unbedenklichkeit des Baustoffes durch das Gütesiegel Natureplus bestätigt worden ist. Als durchaus unbedenklich wird der Lehmbau auch von dem Sentinel Haus Institut eingestuft.

Was stimmt? Woran können Sie sich nun orientieren?

Besteht Grund zur Sorge beim Lehmbau?

Clay rendering on straw
Verputzen einer Stroh-Wand mit Lehm

Fakt ist, dass alle Gesteine radioaktive Isotope abgeben und die Tatsache, dass auch Lehm radioaktive Stoffe aussondert, deshalb grundsätzlich nichts Außergewöhnliches ist.
Da Thorium, das in Lehm vorkommt, im Vergleich zu z.B. Radon eine sehr geringe Halbwertszeit hat, ist es lange Zeit im Strahlenschutz unbeachtet geblieben. Da mittlerweile aber auch niedrigere Dosen natürlicher Radioaktivität als gesundheitlich bedenklich gelten, haben Forscher der Helmholtz-Gruppe begonnen, den Sachverhalt genauer zu untersuchen.

Generell ist es aber wohl etwas stark verallgemeinert, aktuell von Lehm als radioaktiver Bedrohung zu sprechen. Die Untersuchungen laufen derzeit noch und der Dachverband Lehm beteuert, dass die Lehmbaustoffe qualitativ immer am neuesten Stand der Wissenschaft orientiert sind und es deshalb keinen Grund für gesundheitliche Bedenken gegenüber Lehmbau gibt.

Raumluft einfach entgiften

Ganz grundsätzlich ist Lehm aber so oder so nicht der einzige Übeltäter: Die größte Dosis an radioaktiven Zerfallsprodukten wird nämlich aus den Böden, vor allem im Keller, in die Raumluft abgegeben. Deshalb ist eine gewisse Menge an radioaktiven Stoffen in der Raumluft kaum zu vermeiden – allerdings können Sie dem aktiv entgegenwirken. Vor allem in Neubauten und nachträglich gedämmten Gebäuden müssen Sie nämlich auf ausreichende Lüftung achten. Egal ob Lehm oder anderes Baumaterial: Um die Schadstoffkonzentration in der Raumluft zu verringern, empfiehlt sich die richtige Strategie zum Lüften.

Bislang gibt es also keine wissenschaftlichen Beweise für die Schädlichkeit von Lehm als Baustoff. Die Studien zum Thema laufen, allerdings besteht kein akuter Grund zur Sorge. Verschiedene Zertifikate versichern zudem die Unbedenklichkeit. Falls Sie in einem Lehmhaus wohnen oder planen, Lehm als Material in Ihrem Eigenheim zu verarbeiten, lohnt es sich natürlich, die Augen bezüglich neuer Forschungsergebnisse offenzuhalten – dies gilt aber für alle Baustoffe. Wenn Sie sich um den Schadstoffgehalt in Ihrer Raumluft sorgen, können Sie mit den richtigen Lüftungstechniken oftmals einen viel größeren positiven Effekt erzielen als mit der Wahl eines anderen Baustoffs.

Sie haben noch Fragen rund um das Thema Lehmbau? Unsere unabhängigen Experten beraten Sie gerne.