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Almondia – Bautipps Die Bauherrenberatung

Sechziger Jahre Haus sanieren

Ein Haus aus den 60er Jahren hat einen Charme, den viele Bauherren und Familien bewusst suchen: solide Bausubstanz, großzügige Grundstücke, oft günstigere Preise auf dem Immobilienmarkt als vergleichbare Neubauten. Gleichzeitig bringen diese Häuser strukturelle Schwachstellen mit, die eine Sanierung aufwendig und teuer machen. Eigentümer stehen nach dem Kauf oder Erbe vor der Frage, ob eine Sanierung überhaupt die richtige Entscheidung ist, und wenn ja, was sie kostet und in welcher Reihenfolge sie sinnvoll ist.

Schnelleinstieg ins Thema

Typische Schwachstellen: 60er Jahre Häuser haben fast immer ungedämmte Außenwände, einfach verglaste Fenster, veraltete Heizsysteme und oft schadstoffbelastete Baumaterialien wie Asbest.
Sanierungskosten variieren stark: Eine Teilsanierung beginnt ab ca. 400 Euro pro m² Wohnfläche, eine Vollsanierung oder Kernsanierung liegt oft zwischen 1.000 und 2.000 Euro pro m².
Schadstoffe zuerst prüfen: Vor dem eigentlichen Sanierungsbeginn ist eine Schadstoffanalyse Pflicht, denn Asbest, PCB und Mineralfaserprodukte sind in Häusern dieser Ära weit verbreitet.
Förderungen sind erheblich: Über die BEG Förderung, BAFA Förderung und KfW Förderung lassen sich je nach Maßnahme 15 bis 70 Prozent der Sanierungskosten fördern.
Planung entscheidet: Ein durchdachtes Sanierungskonzept mit einem erfahrenen Architekten oder Energieberater verhindert teure Fehler und optimiert den Förderanteil.

Was macht ein 60er Jahre Haus aus?

Häuser aus den 60er Jahren wurden in einer Zeit gebaut, in der Energieeffizienz keine Rolle spielte. Heizöl war billig, die erste Wärmeschutzverordnung kam erst 1977. Die meisten Gebäude sind Massivbauten aus Kalksandstein, Hohlblockziegeln oder Porenbetonsteinen mit Wanddicken zwischen 24 und 36 cm, ohne Kerndämmung; das Baujahr ist daher ein klarer Hinweis auf typische Schwachstellen und die damalige Bauweise, zumal Häuser aus den 1960ern meist gar keine Isolierung besitzen und entsprechend hohe Wärmeverluste haben. Flachdächer sind oft undicht, Satteldächer kaum gedämmt, Fenster einfach verglast; dazu kommen bei diesem Baujahr häufig feuchte Keller, Risse im Beton und eine unzureichende Schalldämmung.

Neben den typischen Gestaltungsmerkmalen prägt die Architektur der 1960er-Jahre viele dieser Gebäude mit flachen Dächern, großen Fensterflächen Richtung Garten und raumtrennenden Grundrissen mit vielen Innenwänden. Beides hat direkte Konsequenzen für die Sanierungsplanung.

Schadstoffe als besondere Herausforderung

Ein 60er Jahre Haus zu sanieren bedeutet fast zwangsläufig einen Schadstoffcheck vor dem Start. In dieser Bauphase wurden Materialien verbaut, die heute als gesundheitsschädlich eingestuft sind.

  • Asbest in Fassadenplatten, Dacheindeckungen, Fugenmassen und Bodenbelägen
  • PCB (polychlorierte Biphenyle) in Fugendichtmassen, Fensterkitt und Farbbeschichtungen – auch ohne Sanierungsarbeiten können diese Stoffe Schadstoffe an die Raumluft abgeben
  • KMF (künstliche Mineralfasern) in Dämmstoffen älterer Bauart
  • Bleihaltige Anstriche und Linoleum mit Teeranteilen in Böden

Die Schadstoffanalyse durch einen zertifizierten Sachverständigen ist Voraussetzung für eine sichere Sanierungsplanung. Asbesthaltiges Material darf nur von zugelassenen Fachbetrieben demontiert und entsorgt werden.

Sechziger Jahre Haus sanieren: Kosten und Preise

Bevor konkrete Preise verglichen werden, empfiehlt sich eine strukturierte Sanierungsplanung mit einem Architekten oder Energieberater. Ohne vorangegangene Planung sind Angebote kaum vergleichbar. Grobe Orientierungswerte nach Sanierungstiefe:

SanierungstypMaßnahmenKosten pro m² Wohnfläche
Teilsanierung1 bis 3 Einzelmaßnahmen (z. B. Fenster + Heizung)ca. 400 bis 700 €
Umfassende SanierungHülle + Haustechnik + Innenausbauca. 700 bis 1.200 €
Kernsanierung / VollsanierungKomplettentkernung bis auf die Rohbausubstanzca. 1.200 bis 2.000 €

Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche kann eine Kernsanierung 170.000 bis 280.000 Euro kosten, zuzüglich Schadstoffentsorgung und unvorhergesehener Schäden.

Kosten einzelner Sanierungsmaßnahmen

MaßnahmeKostenbandbreite
Fassadendämmung (WDVS)80 bis 200 € pro m² Fassadenfläche
Dachdämmung (Aufsparren/Zwischensparren)150 bis 350 € pro m² Dachfläche
Neue Fenster (3-fach-Verglasung)500 bis 1.200 € pro Fenster
Heizsystem (Wärmepumpe)15.000 bis 30.000 € je nach Typ
Kellerdämmung (Perimeterdämmung)50 bis 120 € pro m²
Elektroinstallation (Vollsanierung)100 bis 150 € pro m² Wohnfläche
Badsanierung8.000 bis 25.000 € je nach Ausstattung
Grundrissänderung (inkl. Statik)stark variabel, 5.000 bis 30.000 €

Energetische Sanierung: Die Gebäudehülle zuerst

Eine energetische Sanierung beginnt mit der Gebäudehülle. Erst wenn Wände, Dach, Keller und Fenster ausreichend gedämmt sind, macht eine neue Heizung wirtschaftlich Sinn.

Fassade und Wärmedämmung

Die Fassadendämmung ist die wirkungsvollste Einzelmaßnahme. Beim Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) wird Wärmedämmung direkt auf die Außenwand geklebt und verputzt. Besonderes Augenmerk gilt den Wärmebrücken an Fensterlaibungen, Balkonanschlüssen und Außenwandecken, die bei 60er Jahre Häusern besonders ausgeprägt sind.

Dach dämmen

Das Dach ist nach der Fassade der größte Wärmeverlust-Faktor. Viele 60er Jahre Häuser haben ein ausgebautes oder ausbaufähiges Dachgeschoss, bei dem fehlende Dämmung besonders spürbar wird. Bei Satteldächern empfiehlt sich häufig eine Aufsparrendämmung, da die ursprünglichen Sparren für eine Zwischensparrendämmung zu schmal sind.

Fenster tauschen

Einfachverglaste Fenster aus den 60er Jahren haben U-Werte von 4,5 bis 5,5 W/(m²K). Selbst eine nachgerüstete Doppelverglasung erreicht nur Werte um 2,8, während moderne 3-fach-verglaste Fenster unter 0,8 kommen. Der Fenstertausch senkt Heizkosten und verbessert zugleich Schallschutz und Einbruchschutz.

Keller dämmen

Ungedämmte Kellerböden und Kellerwände sind häufige Kältebrücken. Feuchtigkeitsprobleme sollten vor der Dämmung behoben werden, da sich sonst Schimmel hinter der neuen Dämmschicht bildet. Schimmelbefall ist bei 60er Jahre Häusern ein häufiger Befund, besonders in schlecht belüfteten Kellerecken und an Außenwänden.

Heizung modernisieren: Wärmepumpe oder Hybridlösung

Die meisten 60er Jahre Häuser heizen noch mit Öl-, Gas- oder Kohleheizungen. Diese Systeme sind ineffizient, verursachen hohe Heizkosten und treiben den Energieverbrauch auf ein Niveau, das sich durch eine moderne Anlage erheblich senken lässt.

Wärmepumpe im 60er Jahre Haus

Die Wärmepumpe ist das meistgeförderte System und bei ausreichend gedämmter Hülle wirtschaftlich attraktiv. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind ohne Erdarbeiten installierbar, Sole-Wasser-Wärmepumpen arbeiten effizienter, erfordern aber ausreichend Grundstück für Erdkollektoren oder eine Tiefenbohrung.

Hybridheizung als Übergangslösung

Für Häuser, die noch nicht vollständig saniert sind, bietet sich eine Hybridheizung aus Wärmepumpe und Gas-Brennwertgerät an. Die Wärmepumpe übernimmt den Großteil der Heizlast, der Gaskessel springt bei Extremtemperaturen ein.

Elektrik, Leitungen und Bad

Elektrische Installationen aus den 60er Jahren entsprechen nicht mehr den heutigen Sicherheitsstandards. Zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter und fehlende FI-Schutzschalter sind die Regel. Bei einer Teilsanierung sollten zumindest Sicherungskasten und kritische Leitungsabschnitte erneuert werden. Mit Blick auf Wärmepumpe, Wallbox und PV-Anlage lohnt es sich, die Elektrik von Anfang an auf künftige Anforderungen auszulegen.

Wasserführende Leitungen aus Blei oder verzinktem Stahl sollten geprüft werden. Verzinkte Stahlleitungen korrodieren von innen und verursachen Rohrverkalkung. Bleileitungen müssen aus Trinkwasserschutzgründen vollständig ersetzt werden.

Die Badsanierung gehört in fast jedem 60er Jahre Haus zum Pflichtprogramm. Sanitäranschlüsse, Fliesen und Raumaufteilung entsprechen selten heutigen Komfortansprüchen. Ein Baubegleiter kann dabei helfen, Bad- und Haustechniksanierung sinnvoll zu koordinieren.

Grundriss ändern

Viele 60er Jahre Häuser haben kleinformatige, funktional getrennte Grundrisse. Wohnzimmer, Esszimmer und Küche waren bewusst voneinander getrennt. Durch gezielte Grundrissänderungen lassen sich mehr Offenheit, besseres Tageslicht und großzügigere Wohnflächen erreichen. Ob tragende Wände entfernt werden können, klärt ein Statiker. Bei Massivbauweise sind Eingriffe möglich, erfordern aber Träger aus Stahl oder Beton.

Förderung für die Sanierung des 60er Jahre Hauses

Die Sanierungsförderung lohnt sich in fast allen Fällen, wenn zugelassene Fachbetriebe und ein Energieberater eingebunden werden.

BEG, BAFA und KfW Förderung

Die BEG Förderung (Bundesförderung für effiziente Gebäude) wird über BAFA und KfW abgewickelt. Die BAFA Förderung bezuschusst Einzelmaßnahmen wie Dämmung, Fenstertausch und Heizungsaustausch mit 15 bis 20 Prozent. Die KfW Förderung stellt bei einer Gesamtsanierung zum Effizienzhaus zinsgünstige Kredite mit Tilgungszuschüssen bereit. Beim Heizungstausch auf Wärmepumpe liegt die Grundförderung bei 30 Prozent, einkommensabhängige Boni können die Förderquote auf bis zu 70 Prozent steigern.

iSFP – Individueller Sanierungsfahrplan

Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) eines unabhängigen Energieberaters ist Grundlage für den 5-Prozent-Bonus bei jeder Einzelmaßnahme; die Energieberatung ist entscheidend, um energetische Schwachstellen gezielt zu identifizieren, und hilft als Unterstützung durch Experten auch dabei, Angebote von Fachbetrieben realistisch einzuschätzen.

Steuerliche Förderung

Eigennutzer ohne BEG-Förderung können Sanierungsmaßnahmen nach § 35c EStG geltend machen: 20 Prozent der Kosten über drei Jahre, maximal 40.000 Euro je Objekt.

Sechziger Jahre Haus sanieren oder abreißen?

Viele Bauherren hängen an dem Gedanken, das alte Haus zu erhalten. Trotzdem lohnt es sich, zu überlegen, ob eine Sanierung wirklich die bessere Entscheidung ist, oder dabei nur ein teuer sanierter Kompromiss entsteht.

Warum ein Abriss und Neubau oft die klügere Wahl ist

60er Jahre Häuser spiegeln den Wohnstil ihrer Entstehungszeit wider. So baut man heute nicht mehr. Räume waren kleiner, Bäder funktional geplant, nicht als Wohlfühlzone. Eine Kochinsel lässt sich in die engen Grundrisse dieser Häuser meist nicht integrieren. Moderne Wärmepumpen brauchen Platz für Pufferspeicher und Haustechnikräume, den diese Gebäude selten bieten.

Auf dem weißen Blatt zu starten bedeutet, heute mit Blick auf aktuelle Standards zu planen: Sichtachsen, Tageslicht aus der richtigen Richtung, Technikräume an der richtigen Stelle, Bäder mit echtem Platz. Abriss und Neubau auf einem bereits erschlossenen Grundstück sind zudem oft günstiger als angenommen. Die Kosten für Schadstoffentsorgung, Statikeingriffe und die Erneuerung aller Leitungen summieren sich bei einer umfassenden Sanierung schnell auf Beträge, die einen Neubau realistisch werden lassen.

Wann eine Sanierung dennoch sinnvoll ist

Baurechtlicher Bestandsschutz spielt eine wichtige Rolle: Manche Grundstücke erlauben im Bestand eine größere Wohnfläche oder Bebauungsdichte als ein Neubau nach aktuellem Bebauungsplan. Auch eine intakte Bausubstanz ohne Schadstoffbelastung mit einem anpassbaren Grundriss spricht für die Sanierung.

Ein Sachverständiger oder Architekt kann nach einer Bestandsaufnahme einschätzen, ob die Sanierung sinnvoll ist oder ein Neubau die bessere Investition darstellt. Gerade im Fall unklarer Schäden ist diese fachliche Einschätzung besonders wichtig.

Baugenehmigung und GEG-Pflichten

Energetische Ertüchtigungen wie Dämmung, Fenstertausch oder Heizungsaustausch sind in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei. Grundrissänderungen an tragenden Bauteilen und Anbauten sind baugenehmigungspflichtig. Ältere Häuser entsprechen energetisch und technisch zudem oft nicht mehr dem heutigen Energiestandard. Neue Eigentümer eines 60er Jahre Hauses sind durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren bestimmte Mindestmaßnahmen umzusetzen, darunter die Dämmung der obersten Geschossdecke und den Austausch von Heizungsanlagen, die älter als 30 Jahre sind.

Fazit

Ein 60er Jahre Haus zu sanieren ist möglich, aber nicht automatisch die richtige Entscheidung, selbst wenn daraus wieder ein attraktives Wohnhaus mit mehr Wohnkomfort werden kann. Die typischen Schwachstellen dieser Gebäude, fehlende Dämmung, veraltete Haustechnik, enge Grundrisse und Schadstoffbelastung, summieren sich schnell zu Kosten, bei denen ein Abriss und Neubau die wirtschaftlich und planerisch sinnvollere Alternative sein kann. Die Sanierung lohnt sich dort, wo baurechtlicher Bestandsschutz, intakte Bausubstanz und ein anpassungsfähiger Grundriss zusammenkommen. In diesen Fällen helfen BEG, BAFA und KfW Förderung dabei, den Aufwand erheblich zu reduzieren.

FAQ – Häufige Fragen zum Thema 60er Jahre Haus sanieren

Gebundener Asbest in intaktem Zustand ist nicht unmittelbar gesundheitsschädlich. Sobald Sanierungsarbeiten beginnen, also Bohren, Sägen oder Abbrechen, können Fasern freigesetzt werden, die lungengängig und krebserregend sind; in Eigenleistung sollte hier nur dann selbst Hand angelegt werden, wenn keine schadstoffbelasteten Bauteile betroffen sind. Die Sanierung asbesthaltiger Materialien ohne zugelassenen Fachbetrieb ist in Deutschland strafbar und kann zu Problemen beim späteren Verkauf führen.

Eine Wärmepumpe vor einer Dämmung zu installieren ist technisch möglich, aber wirtschaftlich ungünstig. Je schlechter die Dämmung, desto mehr Strom verbraucht die Pumpe. Sinnvoll ist der Einbau erst nach Abschluss der Hüllsanierung, da sich Heizlast und damit die nötige Leistungsgröße der Anlage verändern.

In vielen Fällen lohnt sich die Vollsanierung eines 60er Jahre Hauses nicht, wenn man nüchtern rechnet; bei Wohnungen im Bestand fallen solche Kosten- und Schutzvorteile teils anders aus als beim Einfamilienhaus. Abriss und Neubau auf erschlossenem Grundstück sind oft günstiger, besonders wenn Schadstoffentsorgung und Statikeingriffe anfallen. Eine Vollsanierung ist dann sinnvoll, wenn baurechtlicher Bestandsschutz mehr Wohnfläche erlaubt als ein Neubau und die Bausubstanz intakt ist. Ein Sachverständiger kann das nach einer Bestandsaufnahme einschätzen.

Autorin Sarah Völkl

Sarah Völkl hat Architektur studiert und ist seit Jahren das Gesicht von a better place. Mit ihren Videos ist sie bei YouTube vielen Personen schon länger bekannt. Sarah teilt Ihr Wissen jetzt auch bei den Bautipps von Almondia.
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