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Komplettsanierung

Eine Komplettsanierung ist eines der umfangreichsten und kostenintensivsten Vorhaben, das Eigentümer einer Immobilie angehen können. Wer ein älteres Gebäude von Grund auf erneuert, schafft nicht nur modernen Wohnkomfort, sondern steigert den Wert der Immobilie dauerhaft und senkt langfristig die Energiekosten. Gleichzeitig birgt eine solche Maßnahme erhebliche Risiken: Falsch geplante Sanierungsreihenfolgen, unterschätzte Kosten und ungeeignete Handwerkerbeauftragungen gehören zu den häufigsten Ursachen für teure Nachbesserungen.

Für Hausbesitzer, die ihr Einfamilienhaus, ihren Altbau oder ein erworbenes Bestandsgebäude vollständig sanieren möchten, stellt sich vor allem die Frage nach dem richtigen Vorgehen. Dieser Ratgeber erklärt, was eine Komplettsanierung umfasst, welche Kosten pro m² anfallen, welche Reihenfolge einzuhalten ist und wie Förderungen über KfW und BEG optimal genutzt werden können.

Schnelleinstieg ins Thema

Komplettsanierung vs. Teilsanierung: Eine Komplettsanierung erneuert alle oder nahezu alle Gebäudebestandteile gleichzeitig – Dach, Fassade, Fenster, Heizung, Elektro, Sanitär und Innenausbau. Eine Teilsanierung beschränkt sich auf einzelne Gewerke.
Kosten pro m²: Die Kosten für eine Komplettsanierung liegen in Deutschland 2026 typischerweise zwischen 1.100 und 1.800 Euro pro m² Wohnfläche – bei Kernsanierung oder gehobenem Standard auch deutlich darüber.
Reihenfolge ist entscheidend: Sanierungsarbeiten folgen einer festen Logik – von der Bausubstanz über die Haustechnik bis zum Innenausbau. Wer die Reihenfolge missachtet, riskiert Doppelarbeiten und unnötige Kosten.
Förderungen nutzen: Über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die KfW stehen umfangreiche Fördermittel bereit – insbesondere über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Unabhängige Begleitung schützt: Bei einer Komplettsanierung ist die Beauftragung eines unabhängigen Sachverständigen zur Baubegleitung empfehlenswert, um Mängel frühzeitig zu erkennen und Kosten im Rahmen zu halten.

Was ist eine Komplettsanierung?

Eine Komplettsanierung bezeichnet die vollständige Erneuerung eines Gebäudes, bei der alle wesentlichen Bauteile ausgetauscht oder instand gesetzt werden, um Energieeffizienz und Wohnkomfort grundlegend zu verbessern. Der Begriff wird oft synonym mit Kernsanierung verwendet, wobei die Kernsanierung in der Regel noch einen Schritt weitergeht und das Gebäude auf die tragende Rohbaustruktur reduziert.

Im Unterschied zur Renovierung – die lediglich kosmetische Maßnahmen umfasst – oder zur Modernisierung einzelner Bauteile greift die Komplettsanierung tief in die Bausubstanz ein. Typische Sanierungsmaßnahmen bei einer Komplettsanierung:

  • Dach erneuern oder dämmen
  • Fassade sanieren und dämmen
  • Fenster und Türen austauschen
  • Heizungsanlage ersetzen
  • Elektroinstallation erneuern
  • Sanitäranlagen und Wasserleitungen ersetzen
  • Böden, Wände und Decken neu gestalten
  • Keller trocken legen oder dämmen

Eine Komplettsanierung lohnt sich vor allem für Altbauten aus der Vorkriegszeit oder den Nachkriegsjahrzehnten, bei denen Sanierungsstau, schlechte Energiebilanz und veraltete Haustechnik zusammentreffen.

Komplettsanierung vs. Teilsanierung: Was ist sinnvoll?

Die Entscheidung zwischen einer Komplettsanierung und einer schrittweisen Teilsanierung hängt von mehreren Faktoren ab: dem Zustand des Gebäudes, dem verfügbaren Budget und der geplanten Nutzungsdauer.

KriteriumKomplettsanierungTeilsanierung
BausubstanzUmfassend erneuertPunktuell verbessert
Kosten gesamtHöher, aber effizienterGeringer je Maßnahme, aber oft teurer auf lange Sicht
BauzeitKonzentriert (Monate)Verteilt über Jahre
FörderungVollständig als Effizienzhaus nutzbarNur Einzelmaßnahmen
BewohnbarkeitOft vorübergehender Auszug nötigHäufig bewohnbar
WertsteigerungHoch und sofortGering bis mittel

Bei einem Altbau mit erheblichem Sanierungsstau empfiehlt sich oft die Komplettsanierung, weil sie koordinierte Gewerke ermöglicht, teure Doppelarbeiten vermeidet und die volle Förderung über das Effizienzhaus-Programm der KfW zugänglich macht.

Komplettsanierung Kosten: Was kostet eine vollständige Sanierung?

Die Kosten einer Komplettsanierung variieren stark – je nach Gebäudezustand, Ausstattungsstandard, Region und Umfang der Maßnahmen. Eine pauschale Angabe ist deshalb immer eine grobe Orientierung.

Kosten pro m²: Richtwerte für die Planung

SanierungsstandardKosten pro m² Wohnfläche
Einfache Komplettsanierung1.100 – 1.400 €
Mittlerer Standard1.400 – 1.800 €
Gehobener Standard / Kernsanierung1.800 – 2.500 €
Luxussanierung / Denkmalschutzab 2.500 €

Für ein typisches Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche ergeben sich bei mittlerem Standard Gesamtkosten zwischen 210.000 und 270.000 Euro. Hinzu kommen Planungskosten, Gutachterkosten und ggf. Kosten für eine temporäre Unterkunft während der Bauzeit.

Ein finanzieller Puffer von 15 bis 20 Prozent ist bei einer Komplettsanierung grundsätzlich einzuplanen. Hinter alten Wänden und Putzschichten von Altbauten treten häufig unerwartete Mängel zutage – von verdeckten Feuchteschäden bis zu kontaminierten Baustoffen –, die erst nach dem Öffnen der Bauteile sichtbar werden und ungeplante Mehrkosten verursachen.

Rechenbeispiel: Komplettsanierung eines Altbaus mit 130 m²

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht, wie sich die Gesamtkosten zusammensetzen:

PostenKosten (Richtwert)
Sanierungsarbeiten (130 m² × 1.550 €/m²)201.500 €
Planungs- und Gutachterkosten8.000 €
Puffer 15 % für unvorhergesehene Schäden30.225 €
Gesamtkosten bruttoca. 239.725 €
KfW-Tilgungszuschuss (Effizienzhaus 55 EE)− 45.000 €
Verbleibende Eigenfinanzierungca. 194.725 €

Das Beispiel zeigt: Wer die KfW-Förderung konsequent ausschöpft, kann die Nettoinvestition spürbar senken. Entscheidend ist, den Förderantrag vor Baubeginn zu stellen und den Zielstandard frühzeitig mit einem Energieberater festzulegen.

Kostentreiber bei der Komplettsanierung

  • Schlechter Ausgangszustand der Bausubstanz: Feuchte Wände, marode Dachkonstruktionen oder kontaminierte Materialien (z. B. Asbest) erhöhen den Aufwand erheblich.
  • Unvorhergesehene Arbeiten: Besonders bei Altbauten kommen versteckte Mängel erst nach dem Öffnen von Wänden und Decken zum Vorschein.
  • Energetische Standards: Wer die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus erfüllen möchte, muss höhere Standards bei Dämmung und Haustechnik einhalten, was die Investitionskosten steigert – die Mehrkosten werden jedoch durch Förderungen und niedrigere Energiekosten teils kompensiert.
  • Handwerkerbeauftragung: Die Art der Beauftragung beeinflusst die Kosten maßgeblich. Wer Gewerke einzeln vergibt, kann günstiger sein, muss aber selbst koordinieren. Ein Generalunternehmer vereinfacht die Abwicklung, schlägt aber eine Koordinationsmarge auf.

Komplettsanierung Reihenfolge: Die richtige Abfolge der Sanierungsmaßnahmen

Die Reihenfolge der Sanierungsarbeiten ist kein Detail, sondern eine Grundbedingung für den Erfolg. Wer die Logik der Gewerke missachtet, riskiert, fertig gestellte Arbeiten wieder aufzureißen.

Die bewährte Reihenfolge bei einer Komplettsanierung:

  1. Statik und Bausubstanz prüfen – Vor allen Maßnahmen steht die Gebäudeanalyse durch einen Sachverständigen. Schäden an Grundmauern, Dachkonstruktion und Statik müssen zuerst behoben werden. Bei Änderungen an der Dachkonstruktion oder dem Entfernen tragender Wände ist ein Statiker zwingend hinzuzuziehen.
  2. Rückbau und Entkernung – Altes Mauerwerk, Böden, Decken und Installationen werden entfernt, soweit sie nicht erhaltenswert sind.
  3. Dach sanieren – Das Dach hat Priorität, weil alle weiteren Maßnahmen im Innenbereich davon abhängen, dass das Gebäude wasserdicht ist.
  4. Fassade und Außenwände dämmen – Nach dem Dach folgt die Gebäudehülle. Fensteraustausch und Außendämmung sind aufeinander abzustimmen.
  5. Fenster und Türen austauschen – Der Fensteraustausch erfolgt nach der Fassadenentscheidung, aber vor dem Innenausbau.
  6. Heizung erneuern – Die sogenannte „Dämmen-vor-Heizen“-Regel ist hier entscheidend: Erst wenn Außenwände und Dach gedämmt sind, lässt sich die neue Heizungsanlage korrekt dimensionieren. Eine zu früh installierte Heizung ist häufig überdimensioniert und damit unwirtschaftlich.
  7. Elektro und Sanitär erneuern – Leitungen werden neu verlegt, bevor Wände geschlossen und Böden verlegt werden.
  8. Innenausbau – Estrich, Putz, Trockenbau, Böden und Malerarbeiten schließen die Sanierung ab.

Warum die Reihenfolge nicht beliebig ist

Wer beispielsweise den Innenausbau vor der Haustechnik abschließt, muss fertige Wände wieder öffnen, um Leitungen zu verlegen. Wer das Dach nicht zuerst saniert, riskiert Feuchteschäden an neu eingebauten Bauteilen. Die koordinierte Planung aller Gewerke – idealerweise durch einen Energieberater und einen unabhängigen Sachverständigen – ist deshalb entscheidend.

Komplettsanierung Förderung: KfW, BEG und steuerliche Absetzbarkeit

Die öffentliche Förderung ist ein wesentlicher Hebel, um die Kosten einer Komplettsanierung zu senken. Wer frühzeitig plant, kann erhebliche Zuschüsse und günstige Kredite in Anspruch nehmen.

BEG: Bundesförderung für effiziente Gebäude

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) ist seit 2021 das zentrale Förderprogramm für energetische Sanierungsmaßnahmen in Deutschland. Sie wird über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die KfW abgewickelt.

FörderwegZuständigkeitFördergegenstand
BEG Wohngebäude – KreditKfWKomplettsanierung zum Effizienzhaus
BEG Wohngebäude – ZuschussKfWKomplettsanierung zum Effizienzhaus
BEG Einzelmaßnahmen – ZuschussBAFAEinzelne Sanierungsmaßnahmen

KfW-Förderung: Effizienzhaus-Stufen und Förderhöhen

Die KfW fördert Komplettsanierungen, die ein bestimmtes Effizienzhaus-Niveau erreichen. Je besser die Energieeffizienz des sanierten Gebäudes, desto höher die Förderung. Aktuelle Effizienzhaus-Stufen (Stand 2026):

  • Effizienzhaus 85, 70, 55, 40 – gestaffelte Anforderungen an den Primärenergiebedarf
  • Effizienzhaus Denkmal – für unter Denkmalschutz stehende Gebäude
  • Effizienzhaus EE / NH – Zusatzbonus für erneuerbare Energien bzw. Nachhaltigkeitsklasse

Wer eine Komplettsanierung zum KfW-Effizienzhaus realisiert, kann je nach Effizienzhaus-Stufe und Bonuskriterien bis zu 67.500 Euro Tilgungszuschuss pro Wohneinheit erreichen. Die förderfähigen Kreditbeträge liegen bei bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit. Die genauen Konditionen ändern sich regelmäßig – eine aktuelle Beratung durch einen zugelassenen Energieberater ist Pflicht für die Antragstellung.

Energetische Sanierung: Energieverbrauch vorher und nachher

Eine Komplettsanierung mit energetischem Schwerpunkt reduziert den Heizenergiebedarf eines Altbaus drastisch. Die folgende Übersicht zeigt typische Richtwerte für ein Einfamilienhaus:

ZustandHeizenergiebedarf (kWh/m²·a)Heizkosten/Jahr (130 m², Öl)
Unsanierter Altbau (vor 1978)200 – 300ca. 3.000 – 4.500 €
Nach Komplettsanierung Effizienzhaus 7070 – 90ca. 1.050 – 1.350 €
Nach Komplettsanierung Effizienzhaus 5550 – 70ca. 750 – 1.050 €
Nach Komplettsanierung Effizienzhaus 40unter 50unter 750 €

Die Einsparungen beim Energieverbrauch von 60 bis 80 Prozent amortisieren einen Teil der Sanierungskosten langfristig. Bei steigenden Energiepreisen erhöht sich dieser Effekt zusätzlich.

Finanzierung: Modernisierungskredit als ergänzende Option

Nicht jede Sanierungsmaßnahme ist über KfW oder BAFA förderbar. Für den nicht geförderten Teil der Sanierungskosten oder als Überbrückung bis zur Fördermittelauszahlung bietet sich ein Modernisierungskredit an. Dabei handelt es sich um ein zweckgebundenes Darlehen, das speziell für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an Immobilien angeboten wird. Modernisierungskredite sind in der Regel zu günstigeren Konditionen erhältlich als allgemeine Ratenkredite, da der Verwendungszweck für Banken klar definiert und das Ausfallrisiko geringer ist. Ein Vergleich mehrerer Angebote lohnt sich, da Zinssätze und Laufzeiten stark variieren.

Komplettsanierung steuerlich absetzen

Eigentümer, die selbst in der sanierten Immobilie wohnen, können energetische Sanierungsmaßnahmen nach § 35c EStG steuerlich geltend machen. Absetzbar sind 20 % der förderfähigen Kosten über drei Jahre, maximal 40.000 Euro pro Objekt. Diese steuerliche Förderung und die KfW-Förderung schließen sich gegenseitig aus – eine Kombination ist nicht möglich. Wer vermietet, kann Sanierungskosten unter bestimmten Voraussetzungen als Werbungskosten oder Herstellungskosten abschreiben.

Komplettsanierung Ablauf und Planung: Was ist 2026 zu beachten?

Eine sorgfältige Planung ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Komplettsanierung. Wer ohne Konzept in die Ausführung geht, riskiert Kostensteigerungen, Förderverluste und handwerkliche Fehler, die sich später nur aufwendig korrigieren lassen. Der folgende Ablauf gilt als bewährte Grundstruktur für Eigentümer, die eine vollständige Haussanierung angehen.

Schritt-für-Schritt zur erfolgreichen Komplettsanierung

Eine realistische Komplettsanierung folgt einem strukturierten Ablauf:

  1. Gutachten einholen – Vor der Planung empfiehlt sich ein unabhängiges Gutachten über den Zustand der Immobilie. Es liefert die belastbare Grundlage für das Sanierungskonzept und deckt versteckte Mängel auf, die die Kostenplanung beeinflussen.
  2. Sanierungskonzept erstellen – Maßnahmen, Reihenfolge und Zielstandard (z. B. Effizienzhaus 55) werden festgelegt.
  3. Förderantrag stellen – Vor Baubeginn müssen KfW- und BAFA-Anträge gestellt werden. Maßnahmen, die vor der Antragstellung beginnen, sind nicht förderfähig.
  4. Handwerker beauftragen – Ob über Generalunternehmer oder einzelne Gewerke: Angebote vergleichen, Verträge sorgfältig gestalten.
  5. Baubegleitung sicherstellen – Ein unabhängiger Sachverständiger kontrolliert laufend die Ausführungsqualität.
  6. Abnahme und Dokumentation – Jede Maßnahme wird dokumentiert, Mängel werden vor Zahlung protokolliert.
  7. Förderabrechnung – Nach Abschluss der Maßnahmen werden die Nachweise beim Fördermittelgeber eingereicht.

Für Hausbesitzer, bei denen das Budget eine vollständige Sanierung in einem Zug nicht zulässt, bietet die Teilsanierung eine Alternative: Dringende Maßnahmen werden priorisiert, das Budget wird über mehrere Jahre verteilt. Der Nachteil liegt in der fehlenden Gesamtförderung als Effizienzhaus und in potenziellen Doppelarbeiten beim späteren Ausbau.

Wie lange dauert eine Komplettsanierung?

Die Bauzeit hängt stark vom Umfang ab. Für ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche sind bei einer vollständigen Komplettsanierung realistisch 6 bis 18 Monate einzuplanen – bei paralleler Ausführung mehrerer Gewerke eher am unteren Ende, bei sequenzieller Abfolge oder Lieferengpässen auch länger.

Komplettsanierung im bewohnten Haus: Was ist möglich?

Eine Komplettsanierung im bewohnten Haus ist theoretisch möglich, aber mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Arbeiten an der Haustechnik, der Elektroinstallation oder dem Sanitärbereich erfordern häufig vorübergehende Abschaltungen. Staubentwicklung, Lärm und Sicherheitsrisiken sind bei einer Kernsanierung kaum vermeidbar. In den meisten Fällen ist ein temporärer Auszug zumindest teilweise sinnvoll.

Komplettsanierung Generalunternehmer vs. Einzelvergabe

Bei der Frage, wie Handwerker für eine Komplettsanierung beauftragt werden, gibt es zwei grundlegende Wege:

Generalunternehmer: Ein einzelnes Unternehmen übernimmt alle Gewerke und koordiniert Subunternehmer. Der Vorteil liegt in der reduzierten Koordinationsarbeit für den Bauherrn und einer einheitlichen Gewährleistung. Der Nachteil: Generalunternehmer-Margen erhöhen die Gesamtkosten, und der Bauherr hat weniger Transparenz über einzelne Leistungen und Preise.

Einzelvergabe: Jedes Gewerk wird separat ausgeschrieben und beauftragt. Der Bauherr hat mehr Kontrolle und kann günstiger einkaufen, trägt aber das volle Koordinationsrisiko. Ohne bautechnischen Sachverstand oder professionelle Unterstützung entstehen leicht Schnittstellenprobleme zwischen Gewerken.

Eine unabhängige Bauherrenberatung kann in beiden Modellen wertvolle Unterstützung leisten – bei der Vertragsgestaltung, der Angebotsauswertung und der laufenden Qualitätskontrolle auf der Baustelle.

Wann lohnt sich eine Komplettsanierung nicht?

Eine Komplettsanierung ist nicht immer die beste Entscheidung. Bei Gebäuden mit schwerwiegenden Problemen in Substanz und Grundriss kann ein Neubau auf demselben Grundstück wirtschaftlich sinnvoller und wohnqualitativ deutlich attraktiver sein – das sollte vor dem Start jeder umfangreichen Sanierung ehrlich geprüft werden.

Die Grenzen alter Grundrisse

Viele Altbauten wurden für eine andere Lebensweise entworfen. Kleine Bäder, enge Flure, dunkle Küchen ohne Blick zum Garten und fehlende Sichtachsen zwischen Wohn- und Außenbereich lassen sich durch eine Sanierung oft nur bedingt beheben. Eine Kochinsel, heute in modernen Einfamilienhäusern Standard, passt in die meisten historischen Grundrisse schlicht nicht hinein – zu klein, zu zergliedert, zu wenig Raumtiefe.

Dasselbe gilt für Technikräume: Wärmepumpen, Lüftungsanlagen und moderne Haustechnik brauchen Platz und eine sinnvolle Verortung im Gebäude. In alten Häusern fehlt dieser Platz häufig, was zu teuren Kompromisslösungen zwingt, die die Sanierungskosten weiter treiben.

Wann Abriss und Neubau die bessere Wahl ist

Ein Neubau auf dem bestehenden Grundstück erlaubt es, kompromisslos zu planen: Licht, Raumhöhen, Sichtachsen, Badgröße, Technikraum und Grundriss werden exakt auf die heutigen Nutzerbedürfnisse zugeschnitten. Wer einmal auf einem weißen Blatt Papier anfangen kann, merkt schnell, wie viele Einschränkungen ein saniertes Altbauhaus trotz hoher Investitionskosten dauerhaft mit sich bringt.

Konkrete Signale dafür, dass ein Neubau ernsthaft geprüft werden sollte:

  • Die Sanierungskosten übersteigen 70 bis 80 Prozent des Neubaupreises
  • Tragende Wände verhindern eine zeitgemäße Grundrissgestaltung
  • Kein geeigneter Platz für Wärmepumpe oder Lüftungsanlage vorhanden
  • Geschossdecken oder Dachkonstruktion sind so marode, dass ein vollständiger Ersatz nötig ist
  • Der Wohnkomfort bleibt nach der Sanierung aufgrund des Grundrisses dauerhaft eingeschränkt

Auf der Almondia-Plattform können Bauherren kostenlos geprüfte regionale Baufirmen für Massiv- und Fertighäuser anfragen und eine erste Kosteneinschätzung für einen Neubau erhalten – eine sinnvolle Vergleichsbasis, bevor die Entscheidung für oder gegen eine Komplettsanierung fällt.

Fazit

Eine Komplettsanierung ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, um den Wert einer Immobilie dauerhaft zu steigern, die Energiekosten zu senken und modernen Wohnstandard zu schaffen. Die Kosten pro m² liegen 2026 typischerweise zwischen 1.100 und 1.800 Euro, für ein Einfamilienhaus summieren sich die Gesamtinvestitionen schnell auf mehrere hunderttausend Euro – ein Puffer von 15 bis 20 Prozent für unvorhergesehene Schäden ist dabei unverzichtbar. Wer die richtige Reihenfolge der Sanierungsmaßnahmen einhält, frühzeitig Förderanträge über KfW und BEG stellt und die Qualität durch unabhängige Sachverständige sichert, schöpft das volle Potenzial einer Komplettsanierung aus.

Gleichzeitig gilt: Eine Komplettsanierung ist nicht immer die richtige Antwort. Wer viel Geld in ein Gebäude mit schlechtem Grundriss, engen Bädern und unzureichendem Platz für moderne Haustechnik investiert, erkauft sich am Ende einen teuren Kompromiss. Ein Neubau auf demselben Grundstück kann langfristig die bessere und wirtschaftlichere Entscheidung sein – und sollte vor jeder umfangreichen Sanierung zumindest als Vergleichsoption geprüft werden.

FAQ – Häufige Fragen zur Komplettsanierung

Vor Baubeginn sollten eine Bauleistungsversicherung und eine Bauherrenhaftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Die bestehende Wohngebäudeversicherung greift während einer Komplettsanierung oft nur eingeschränkt – eine Rücksprache mit dem Versicherer ist Pflicht.

Ja, nach § 559 BGB dürfen Vermieter die Jahresmiete um bis zu 8 Prozent der Modernisierungskosten erhöhen, maximal jedoch um 3 Euro pro Quadratmeter innerhalb von sechs Jahren. Reine Instandhaltungskosten sind nicht umlagefähig – eine saubere Kostentrennung ist daher dokumentarisch wichtig.

Energetische Maßnahmen wie Dämmung oder Heizungstausch sind in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei. Genehmigungspflichtig wird eine Komplettsanierung, wenn tragende Bauteile verändert werden, die Nutzung geändert wird oder das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Im Zweifel vorab bei der Baubehörde anfragen.

Eine professionell durchgeführte Komplettsanierung steigert den Verkehrswert spürbar. Entscheidend sind die erreichte Energieeffizienzklasse, der Zustand der Haustechnik und die Ausstattungsqualität. Eine Wertsteigerung von 20 bis 40 Prozent gegenüber dem unsanierten Zustand ist bei umfassenden Maßnahmen realistisch.

Autorin Sarah Völkl

Sarah Völkl hat Architektur studiert und ist seit Jahren das Gesicht von a better place. Mit ihren Videos ist sie bei YouTube vielen Personen schon länger bekannt. Sarah teilt Ihr Wissen jetzt auch bei den Bautipps von Almondia.
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